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Fahrradbremse / V-Bremse reparieren

Heute mal was gaaanz Praktisches … Jeder Hausmann (und Nicht-Hausmann oder auch auch Hausfrau oder Nicht-Hausfrau) hat zuhause mit einer mehr oder weniger größeren Anzahl an Fahrrädern zu kämpfen. Jetzt sind nicht die Profis gemeint, für die DAS Fortbewegungsmittel in der Stadt das ständig TOP gewartete Urban-Bike ist und die alle als Zweitberuf Fahrradmechaniker sind. Es geht um die alten und neuen (ja auch um die NEUEN!) Räder von Kindern, Partner usw. Ihr kennt das!? Da ist dauernd was kaputt. Und MANN will es selbst reparieren, weil MANN auf KEINEN Fall zugeben würde, dass ER das

nicht kann und unbedingt beweisen will, dass alle, die es drei Jahre lang in einer Ausbildung gelernt haben, auch nicht besser können als ER selbst 😉 Oder es hat ganz praktische Gründe wie bei mir: Zum Bremsen einstellen hab ich einfach keine Lust, zum Händler meines Vertrauens, der das bei neuen Rädern kostenlos machen würde, fast neun Kilometer hin- und dann wieder zurück zu radeln. Und die „normalen“ großen Räder passen nicht ins Auto, da passen nur die Falträder hinein …

Wir sprechen also über das Nach- bzw. Einstellen einer sog. „V-Bremse“! Dat Ding sieht (in der Regel) so aus …

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In einem früheren Beitrag hatte ich erwähnt, dass ich bzw. meine Frau erst vor kurzem vier Räder für den Familienbedarf (wir sind eine Zwei-Personen-Familie) gekauft habe/-n. Ist ja klar, dass weder (angeblich) Deutschlands größter Radlmarkt noch der Mittelständler am anderen Ende der Stadt die Fahrräder vor Auslieferung KOMPLETT gewartet hatte. Bei den Falträdern wie gesagt kein Problem. Die hab ich ihnen wieder auf de Hof gestellt … Bei den großen Rädern hat sich aber das typische Bremsenproblem bei Neurädern eingestellt: Der Bowdenzug ist neu und damit dehnt sich das Ding noch – und nach ein paar Dutzend Kilometern fahren und bremsen funktioniert die Bremse nicht mehr bzw. nur noch bei maximalen Anschlag am Lenkergriff und dann auch nur mäßig.

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Lässt sich der Bremshebel bis zum Griff durchdrücken ist das also definitiv ein Grund, die Bremse nachzustellen.

 

 

Jetzt muss ich gestehen, dass ich seit meiner Jugend keine Fahrradbremse mehr instandgesetzt habe. Ich also mich 35 Jahre zurück erinnert, wie man das damals so gemacht hat … Das Ergebnis ist wohl klar: Hände schmutzig wie nach drei Wochen Werkstattpraktikum ohne Hände waschen, gefühlt tausend Mal vom Fahrrad vor dem Haus zum Werkzeugkasten im Keller und zum Abkühlen – logisch, bei schönem Wetter wird das Rad repariert! – in die Wohnung und unter die Dusche …

Um anderen „Fahrradprofis“ derartiges zu ersparen also JETZT die Anleitung, wie das mit dem Bremsen einstellen funktioniert. Zuerst ein paar Fotos und Tipps, die ich selbst gemacht und zusammengetragen habe. Dann zum Schluss noch ein Video-Link vom bzw. zum Profi. Doof, dass ich das Video – die meisten taugen nämlich gar nichts! – erst gefunden habe, nachdem ich mit der Hälfte der Arbeit fertig war. Bei mir ging es aber auch gar nicht, wie im Video, darum, die Bremsklötze zu tauschen (das ist im Video vorab mit dabei), sondern nur um das NACHSTELLEN der Bremsen. Gleich vorab: Mit Schutzblech und kompletten Reifen auf der Felge ist das alles etwas fisseliger als im Video gezeigt. Es dauert also ein bisschen und man braucht Geduld. Im Video wird zudem der komplette Austausch der Bremsklötze/-beläge gezeigt. Ich beschreibe nachfolgend nur einen Teil davon, nämlich WIE ICH die Bremse einstelle … nachdem ich das Video gesehen habe 😉 

Wenn ihr es euch leicht machen möchtet, dann braucht ihr

  • ein paar ARBEITSHANDSCHUHE (da gibt es so dünne für ein paar Euro im Baumarkt. Ich habe die im Auto dabei, damit ich kleine Arbeiten unterwegs machen oder die Falträder herausnehmen und zusammenbauen kann, ohne schmutzige Finger zu bekommen)
  • Einen Inbusschlüssel. Da gibt es wie auf dem Foto gezeigt so ein schlaues „Dreier-Modell“, das man idealerweise als Radler dabei hat. Damit ist man für unterwegs immer gewappnet. Das bekommt man im Fahrradgeschäft …
  • Einen Schraubenzieher (klein, kreuz)
  • KABELBINDER (gibt es für wenig Geld in der Großpackung im Baumarkt)
  • Schere oder Seitenschneider (nicht auf den Bildern)

DSC01270Auf dem Foto seht ihr eine überdimensionale „Wäscheklammer“ (orange). Das Ding braucht kein Mensch (ist meine Meinung). Wer es aber probieren möchte … es dient dazu, über die Felge geklemmt den richtigen Abstand der Bremsklötze zur Felge einzustellen. Ich finde, dass das unhandlich ist und nicht so wirklich richtig funktioniert. Die Kabelbinder sind die günstigere und (meiner Meinung nach) bessere Lösung! Vergesst alle guten Tipps mit „Münze zwischen Bremsklotz und Felge klemmen“ usw. Alles probiert. Der Mist fällt herunter, du ärgerst dich nur grün … Nimm Kabelbinder. Das klappt wirklich. Allerdings weiche ich in meiner Fotobeschreibung etwas von dem Video ab, da ich nicht „nach Gefühl ein paar Millimeter“ Abstand zwischen Felge und Bremse haben möchte. Ich möchte, dass das genau passt.

Bei den folgenden Beschreibungen und Fotos lasse ich das ERNEUERN DER BREMSKLÖTZE weg. Das ist im Profi-Video am Ende des Beitrags vorab erklärt. Da ist dann auch erklärt, für was ihr den Schraubenzieher braucht.

Da meine Bremsen insgesamt schlampig eingestellt waren und auch die Einstellung der Bremsklötze zur Felge nicht passend waren, habe ich diese auch gleich eingestellt, wie ich es haben möchte …

Fachbegriffe verwende ich jetzt nicht. Ich bin Laie und habe keine Ahnung, wie die Teile der Bremse alle ganz korrekt bezeichnet werden. Aber die Fotos helfen euch weiter …

So geht ihr vor

Zuerst dreht ihr die Stellschraube zur Feinjustierung der Bremse AM BREMSHEBEL ganz zu, also zum Griff hin. Dazu müsst ihr vorab auch die Feststellschraube ganz zudrehen. Siehe die silbernen Schrauben auf den nachfolgenden Bildern.

Dann hängt ihr die Bremse aus. Dazu braucht ihr nichts schrauben. Ihr drückt die beiden Bremsarme zusammen und mit etwas Widerstand könnt ihr da am LINKEN Bremsarm der Bremse, also NICHT die Seite, an der der Bowdenzug befestigt und verschraubt ist, die Bremse „aushängen“.

Jetzt könnt ihr die Bremsklötze austauschen, falls notwendig. Erklärung dazu im Video. Vor dem Wiedereinbau der Klötze bzw. wenn ihr nur die Bremse nachstellt, braucht ihr nun die KABELBINDER.

Bereitet euch pro Bremsenseite ZWEI Kabelbinder zu einer kleinen Schlinge. Zum Einstellen einer Bremse benötigt ihr also VIER Kabelbinder … Vom überstehenden Kabelbinder schneidet ihr mit einem Seitenschneider oder einer Haushaltsschere (nicht die gute Papierschere verwenden!) ein Stück ab. Das braucht ihr noch!!!

 

Nun schlingt ihr (falls ihr die Bremsklötze wechselst – siehe Video unten – vor der Bremsklotzmontage) über das VORDERE Ende des Bremsklotzes je einen Kabelbinder und zieht die Schlaufe FEST zu, so dass der Kabelbinder auf dem Bremsklotz FLACH und ENG anliegt. Damit habt ihr dann den VORDEREN Abstand des Bremsklotzes zur Felge.

Das hintere Ende des Bremsklotzes muss etwas weiter weg von der Felge sein, der Abstand zwischen Felge und Bremsklotz also größer. Warum? Im Video wird es in einem Nebensatz erklärt. Ansonsten Physiklehrer oder Fahrradmechaniker-Meister fragen 😉 Auf alle Fälle quietscht die Bremse (bei mir am Rad) dann nicht …

Nun schlingt ihr über das HINTERE Ende des Bremsklotzes ebenfalls einen Kabelbinder, steckt aber vor dem Anziehen des Kabelbinders das ABGESCHNITTENE Stückchen durch den Kabelbinder. Damit wird der hintere Abstand des Bremsklotzes zur Felge später größer. Capito!? Siehe Fotos …

Nun löst ihr die Feststellschraube für die Bremsklötze etwas (im Video werden jetzt die so vorbereiteten Bremsklötze – allerdings nur mit Kabelbinder auf der hinteren Seite, weil der Profi die Einstellungen „nach Gefühl“ weiter vornimmt – eingebaut), aber nur soweit, das ihr die Bremsklötze etwas bewegen könnt. NICHT ZU LOCKER machen.

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Zum Lösen müsst ihr mit dem Inbus-Schlüssel die Feststellschraube des Bremsklotzes ETWAS lockern.

 

 

DSC01286Jetzt müsst ihr den Bowdenzug lösen. Dazu lockert ihr die Schraube am rechten Bremsarm mit dem Inbus-Schlüssel. Die Schraube seht ihr auf dem Foto MITTIG mit dem Draht (Bowdenzug), der dahinter eingeklemmt ist. Aber nur soweit lockern, dass sich der Bowdenzug bewegt. Ihr braucht nicht gleich alles zerlegen!

 

Jetzt hängt ihr die Bremse, die ihr ja vorhin ausgehängt habt, auf der linken Seite wieder ein. Nun die beiden Bremsbacken oder wie immer die Dinger heißen zusammendrücken. Die Bremsbacken gehen nun zu, als ob ihr bremsen würdet, die Kabelbinder werden an die Felgen gedrückt.  Dann zieht ihr bei so geschlossener Bremse kräftig an dem Bowdenzug, an dem kleinen Ende, das ihr auf dem Foto oben rechts überstehen seht.

Das Ganze, also den unter Spannung stehenden Bowdenzug, nun gut festhalten – sicherlich schadet an dieser Stelle eine zweite Person zur Hilfe nicht – und die Verschraubung des Bowdenzugs wieder FEST anziehen. 

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Ganz wichtig
:
Nun müsst ihr noch die BREMSKLÖTZE FESTSCHRAUBEN! Sonst war die ganze Mühe mit der Abstandsjustierung umsonst … 

 

 

Jetzt werdet ihr feststellen, dass die Bremse angezogen ist, ihr das Fahrrad nicht bewegen könnt. Es müssen jetzt erst die eingeklemmten Kabelbinder wieder entfernt werden. Dazu zwickt ihr mit dem Seitenschneider oder der Schere einfach die Kabelbinder-Schlaufen durch und zieht kräftig an den Resten des Kabelbinders. Die gehen schon etwas streng, aber sie gehen raus … Würden sie zu leicht rausgehen, wäre die Bremse ja zu locker eingestellt, die ganze Aktion umsonst …

Wenn ihr jetzt alles richtig gemacht habt, sieht die Bremse wieder SO aus wie vorher:

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Der Bremshebel lässt sich jetzt nur noch ein kleines Stück durchdrücken, bis die Bremse greift.  

An der Schraube am Bremshebel könnt ihr nun noch nachjustieren. Wenn ihr die Bremse strenger, also schneller greifend wollt, dreht ihr die Schraube ein kleines Stück HERAUS. Nicht vergessen, die Fixier-/Feststellmutter abschließend zum Bremshebel hin festzudrehen (auf dem Foto oben ist das noch nicht fixiert!), sonst hilft das alles nichts … Wenn die Bremsbeläge weniger werden, sich der Bowdenzug noch etwas dehnt, dann könnt ihr so eine Nachjustierung vornehmen. Wenn die Nachjustierung damit nicht mehr möglich ist, muss wieder die ganze Bremse neu eingestellt bzw. die Bremsklötze vorab erneuert werden.

Wer es jetzt gerne vom Profi als Video sehen möchte, dem empfehle ich folgendes Video von bikebuilds.de :

 

Viel Spaß und erfolgreiches Bremsen! 

Dein/ euer

rms_balkon_sepia_150h

man at home

Robert

 

2 replies »

  1. Hm, ein paar schöne Tricks, ich möchte aber noch etwas ergänzen. Diese V-Bremsen sind ja eigentlich eine Fehlkonstruktion und man sollte erst gar nicht sich diesen Mist aufhalsen. .
    Der entscheidende Nachteil dieser V-Bremsen ist die fehlende Zwangsführung der beiden Seiten gegeneinander. Nach einiger Zeit gibt es Unterschiede in der Leichtgängigkeit untereinander und dann öffnet sich die Bremse nicht gleichmäßig auf beiden Seiten und eine Seite schleift.
    Also ist in der Regel vor der Einstellung der Bremshebel zu demontieren und das Lager zu reinigen und zu fetten. Danach lässt sich über eine Schraube die Federspannung der Seiten einstellen und ein gleichmäßiges Öffnen wieder erreichen. Für eine gewisse Zeit.

    Hydraulische Bremsen haben dieses Problem nicht. Kein Bowdenzug vergammelt durch Salz und die Bremsklötze halten entschieden länger. Nichts schleift oder verstellt sich und die Dosierbarkeit ist auch besser. Unsere Räder haben, wegen den schlechten Erfahrungen, jetzt alle hydraulische Bremsen. Bei meinem Rad praktisch wartungsfrei seit 8000km.

    Gefällt 1 Person

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